Ringvorlesung „Sie blickt zurück zum Land, das sie verlassen“
Das Centrum für Geschichte und Kultur des östlichen Mittelmeerraums lädt ein zur Ringvorlesung mit dem Titel „Sie blickt zurück zum Land, das sie verlassen. Europas Ursprung in Kunst, Kultur und Geschichte des antiken östlichen Mittelmeerraums“ jeweils mittwochs von 20 bis 22 Uhr im F5 (Fürstenberghaus, Domplatz 20-22, 48143 Münster). Der Eintritt ist frei.
Das Programm:
| 07.11.2007 |
Prof. Dr. Erhart Graefe
Sphinx, Mumie, Pyramide, Zauberei, Geheimnis - Die Faszination Ägyptens für die Europäer von der Antike bis heute Fast täglich werden im deutschen Fernsehen Dokumentationen über die antiken Kulturen und besonders über die Ägyptens gesendet. Nach den modischen Grundsätzen unserer Zeit muss also der „Kunde“ ein „Bedürfnis“ nach solcher „Information“ oder „Unterhaltung“ haben. Dieses Interesse ist an sich über 2500 Jahre alt und beginnt für uns sichtbar mit den Griechen des Altertums. Wieso kam es dazu? und: Wofür interessiert man sich dabei eigentlich bis heute? Das soll darzustellen versucht werden. |
| 14.11.2007 |
Prof. Dr. Hans Neumann
Recht haben und Recht bekommen - Wurzeln und Hintergründe europäischen Rechtsdenkens in der altorientalischen Rechtsgeschichte Das Recht in den heutigen europäischen Ländern kann auf eine lange Entwicklung zurückblicken, die über die frühe Neuzeit und das Mittelalter bis in die griechisch-römische Antike reicht. Vorläufer und Vorbilder sind allerdings bereits in Vorderasien in altorientalischer Zeit (3. bis 1. Jahrtausend v. Chr.) nachzuweisen, und zwar in Gestalt des so genannten Keilschriftrechts. Anhand ausgewählter Dokumente der juristischen Überlieferung in sumerischer und babylonisch-assyrischer Sprache sollen gesetzliche Regelungen, gerichtliche Untersuchungen und Entscheidungen sowie privatrechtliche Vereinbarungen und Gegebenheiten im alten Mesopotamien vorgestellt und inhaltliche Bezüge zur späteren europäischen Rechtsentwicklung hergestellt werden. |
| 21.11.2007 |
Dr. Anja Bettenworth und Dr. Achim Lichtenbeger
Auf der Suche nach Europa - Der Stier und das Mädchen Der Mythos von Europa und dem Stier ist in der griechisch-römischen Antike ein beliebtes Thema sowohl der Literatur als auch der darstellenden Kunst. Aus der Perspektive der Klassischen Philologie und der Klassischen Archäologie begeben wir uns auf eine Suche nach Europa und betrachten ihren Mythos und seine unterschiedlichen zeittypischen Interpretationen. |
| 28.11.2007 |
Prof. Dr. Elmar Schwertheim und Prof Dr. Engelbert Winter
Das antike Kleinasien als „Kultur-Brücke“ nach Europa im Spiegel neuer Ausgrabungen Kleinasien ist immer eine Brücke gewesen, über die politische, kulturelle und religiöse Ideen von West nach Ost und umgekehrt geflossen sind. Zwei kleinasiatische Landschaften, die seit langem im Zentrum der historisch-topographischen und archäologischen Arbeiten der Forschungsstelle Asia Minor stehen – die Troas und die Kommagene –, sind in besonderem Maße geeignet, diese „Brückenfunktion“ zu verdeutlichen. Während die Troas durch ihre Öffnung nach Westen und damit ihre Nähe zum griechischen Kulturbereich auszeichnet, ist die Kommagene eine Grenzlandschaft, deren Lebensmittelpunkt der Euphrat war, über den die verschiedensten Ethnien wechselten und mesopotamische wie syrische Einflüsse in das Land kamen. Vor dem Hintergrund der laufenden Ausgrabungen sowohl in der an den Dardanellen gelegenen hellenistisch-römischen Metropole Alexandreia Troas als auch in der nordsyrischen Stadt Doliche sollen vor allem diese zwei wichtigen städtischen Zentren in der Troas und der Kommagene in den Blickpunkt gerückt werden, die aufgrund der in den vergangenen Jahren erzielten neuen Erkenntnisse nicht zuletzt für die „europäische“ Religionsgeschichte der Kaiserzeit und das frühe Christentum von großer Bedeutung sind. |
| 05.12.2007 |
Prof. Dr. Thomas Bremer
Die Wahrnehmung Europas in der heutigen Orthodoxie Der letzte Vortrag fällt ein wenig aus der Reihe, weil er sich nicht auf den Ursprung Europas bezieht, sondern auf die heutige Wahrnehmung des Kontinents in seinem Osten und Südosten, in den orthodox geprägten Staaten. Während einige von ihnen Mitglieder der Europäischen Union sind, lässt sich bei anderen eine zurückhaltende Position „dem Westen“ gegenüber finden. Auch die orthodoxen Kirchen selbst haben eine Haltung zur Frage nach Europa entwickelt, die in dem Vortrag dargestellt werden soll. |