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DFG-Projekt "Journalismus im Internet": Ergebnisse als Buch erschienen

(22.04.2009) Wird der Journalismus im Internet überflüssig? Bisher haben die Redaktionen von Presse und Rundfunk alleine darüber entschieden, welche Nachrichten veröffentlicht werden. Durch Weblogs, Twitter und soziale Netzwerke hat nun jeder einen Zugang zur Öffentlichkeit. Wie das offene Medium Internet den Journalismus verändert, ist in einem zweijährigen Forschungsprojekt am IfK untersucht worden.

Im Rahmen der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Studie wurden 183 Internetredaktionen aus Deutschland befragt. Damit haben sich 44% aller ermittelten Redaktionen an der Erhebung beteiligt. Zuvor wurden rund 1.200 Internetangebote inhaltsanalytisch ausgewertet.

Die erweiterte Partizipation ist nur ein Merkmal des Internets, das den Journalismus beeinflusst. „Technisierung“ lautet ein anderes Stichwort: Google News und andere Suchmaschinen haben die Nachrichtenauswahl automatisiert. Die Ergebnisse der Studie lassen allerdings vermuten, dass weder partizipative noch technische Angebote den beruflich ausgeübten Journalismus verdrängen.

„Ergänzung statt Konkurrenz“ – so lassen sich die Ergebnisse der Studie zusammenfassen. Im Kernbereich des Internetjournalismus dominieren nach wie vor die Online-Angebote der traditionellen Massenmedien. Nur wenige partizipative Angebote erfüllen journalistische Mindestanforderungen. Weblogs und Nutzerplattformen stellen insgesamt lediglich 5% der als journalistisch identifizierten Internetangebote. Auch die Zahl der Nachrichtensuchmaschinen, Portale und weiteren Nur-Internetangebote ist hier noch überschaubar.

„Weblogs und Redaktionen beobachten sich gegenseitig, sie übernehmen Themen und kommentieren einander“, beschreibt Prof. Christoph Neuberger, der Leiter des Projekts, die Beziehung. So ließ sich nachweisen, dass rund drei Viertel der Internetredaktionen in Weblogs recherchieren, sie suchen vor allem nach Themenideen. 99% der Redaktionen nutzen die Enzyklopädie Wikipedia, und zwar in erster Linie als Nachschlagewerk (83%). Ihre Zuverlässigkeit schätzen sie als hoch ein.

Die Studie ergab, dass bereits viele Redaktionen mit den Möglichkeiten der Nutzerbeteiligung experimentieren. So gestatten zwei Fünftel der befragten Anbieter ihren Nutzern, redaktionelle Beiträge zu kommentieren. Auch „Web 2.0“-Anwendungen werden in das Angebot integriert: 55% der Angebote verfügen über Weblogs, Videoblogs oder Podcasts. Erforscht wurde, welche Konsequenzen die Nutzerbeteiligung hat.

Im Internet werden Marktgrenzen weiter gezogen als in den traditionellen Medien. Für Tageszeitungen, Publikumszeitschriften und Rundfunkanbieter stammen die wichtigsten Konkurrenten überwiegend nicht mehr aus dem Ursprungsmarkt. Auch im Internet setzen Qualitätsmedien die Maßstäbe: „Spiegel Online“ wird von 61% der Befragten als Vorbild für die eigene Arbeit angegeben.

Zwar droht der professionelle Journalismus durch die neuen Anbieter im Internet nicht ersetzt zu werden, dennoch hat er ein gravierendes Problem: Werbekunden und Leser wandern ins Internet ab. Journalistische Websites erzielen hohe Reichweiten, aber das Publikum zeigt bisher keine Zahlungsbereitschaft. Vor allem die Tageszeitungen spüren den Wettbewerbsdruck, der vom Internet ausgeht. Der Journalismus, diesen Schluss lassen die Ergebnisse zu, gerät dadurch in ein Dilemma: Einerseits muss er sich im Internet engagieren, andererseits fehlt ihm dort ein Geschäftsmodell.

 

Markus Bertling , zuletzt bearbeitet: 15.07.2009




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