K. Bruckmann

Schulsportfeste

 

Sportfeste sind das Salz in der Suppe des Fernsehalltags. Jeder Schüler kennt sie, jeder hat seine festen Vorstellungen, nur wenige kennen sie aus eigenem Erleben, es sei denn, die Schule hat etwas zu bieten. Allerdings muß man feststellen, daß außerhalb des großen Medienrummels Sportfeste gefeiert werden, die eine große Anziehungskraft für jedermann besitzen, meistens jedoch für Menschen, die ihren eigenen Sport schon entdeckt haben und pflegen. Ich denke an die Vereinssport-feste, aber z.B. auch an das Deutsche Turnfest, ein wahres Fest für Tausende von Teilnehmern, fast unbeobachtet von der breiten Bevölkerung..Langsam entwickeln sich auch für Nicht-Vereinsmitglieder Sportfeste und Spielfeste. Der Landessportbund veranstaltet jedes Jahr auf's Neue eine Großveranstaltung für groß und klein mit erheblichem Aufwand und Erfolg.

 

Eine Zeitungsnotiz habe ich mitgebracht - überschrieben mit "Sprünge über Bananenkisten". Anläßlich der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Stuttgart veranstaltete der DLV eine großangelegte Breitensportaktion unmittelbar vor dem Stadion. Angeboten werden neben Trimmspiele der Schulen und Absolvierung des Leichtathletik-Abzeichens ein Volkslauf mit Prominenten, ein Abenteuer-Zehnkampf, ein Relativ-Hochsprung usw. Die Resonanz ist wohl so positiv, daß man ähnliches als feste Einrichtung etablieren will.

 

Vor mir liegt die Einladung zu der ersten Münsteraner Streetballmeisterschaft mit anschließender großer Fête. Ich würde diesen Beginn noch als Fest bezeichnen wollen, allerdings ein profesionelles - schließlich muß jeder Teilnehmer 20DM Startgebühr bezahlen. In wenigen Jahren wird es sicherlich vorwiegend von Spezialisten besucht werden, die antreten um zu gewinnen, um eine Siegprämie zu erhalten und nicht, um einfach nur Spaß zu haben, dabei zu sein.

 

Die Konkurrenz ist also für die Schule groß, die Ansprüche scheinbar sehr hoch gesetzt, will man ähnliches den eigenen Schülern bieten. Schließlich bleibt Schule aber nach wie vor die einzige Einrichtung, die allen Kindern und Jugendlichen das Feiern im Sport (nicht nach dem Sport) nahebringen kann.

 

Daß man Schülern es möglichst nahe bringen soll, sagen die Richtlinien, betont auch das Aktionsprogramm Gesundheitserziehung. Auf S. 62 im Band 1 der Richtlinien findet man ein eigenes Kapitel "Schulsportfeste/Sport im Rahmen von Schulfesten". Hier spricht man von Leistungsvergleich, aber auch von Spiel und Feier als Bereicherung des Schullebens. "Jede Schule sollte mindestens alle 2 Jahre ein Schulsportfest bzw. ein Schulfest durchführen, in dem Sport als wesentlicher Bestandteil des Schullebens Gestalt gewinnt..".

 

In der Handreichung zur GE in der Sek. I findet man ebenfalls ein eigenständiges Kapitel überschrieben mit "Schulsportfeste - Heraustreten aus dem Alltäglichen". Hier findet eine deutliche Akzentuierung in Richtung Fest statt. Es wird der Charakter des Ausgleichs, der Erholung vom Alltag, von stimmungsaufhellenden Wirkungen eines festlich-heiteren Rahmens gesprochen, von ästhetischen Komponenten, von geselligen Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten. Betont wird die Bedeutung von Vorbereitung und Auswertung solcher Feste. Indem Schüler daran beteiligt werden, können sie z.B. lernen, was das psychische und soziale Wohlbefinden stören kann, weshalb etwas ankommt, was eine fröhliche Grundstimmung erzeugt, wie man Beteiligungschancen für möglichst viele schafft, wie man zum Mitmachen animieren kann.

 

In der Handreichung GE in der Sek. II setzt sich diese Forderung logischerweise fort. Hier steht ein eigenes Kapitel mit der Überschrift "Initiative entwickeln - gesundheitsgerechtes Sporttreiben organisieren". Dies ist zu verstehen als ein Themenvorschlag für den Unterricht auch im GK Sport.

 

Ich möchte an dieser Stelle schon betonen, daß das Thema "Schulsportfeste" auch für die Referendarausbildung von Bedeutung ist. Sicherlich ist erst einmal das Bewußtsein zu schärfen, daß Sport in der Schule mehr ist als nur eine 45-Minuten-Veranstaltung. Was leidet man als engagierter Sportlehrer unter Kollegen, die ihre Initiative auf diesen Zeitrahmen fixieren! Außerdem: Feste müssen organisiert werden, das kann man, ja man muß es lernen. Des weiteren steht die Forderung im Raum, Feste unterrichtlich aufzuarbeiten -  auch das muß man lernen.

 

 

Ich möchte an dieser Stelle etwas aus dem Alltag darstellen. Als Fachvorsitzender Sport unserer Schule bin ich seit vielen Jahren an der Entwicklung eines spezifischen Sportprofils unserer Schule intensiv beteiligt gewesen. U.a. ist so ein Kanon von Veranstaltungen entstanden, der in etwa die breite Palette der Möglichkeiten von Sportveranstaltungen widerspiegelt. Diese Veranstaltungen möchte ich kurz vorstellen, die Grundidee nennen, Probleme der Durchführung aufführen, zu Lernendes für Referendare dabei ansprechen. Viele andere nicht angesprochene Möglichkeiten von Sportveranstaltungen lassen sich aus unserem Angebot entwickeln, auch eine interessante Aufgabe für die Lehrerausbildung.

 

 

Februar            Schulfest mit Sportvorführungen, Lehrer-Schüler-Wettkämpfen

März                Winterbundesjugendspiele - aber anders

Mai                  gemischter Fünfkampf - für interessierte Unterstufenschüler

Sommer           Sommersportfest oder Sommerbundesjugendspiele

September       Langlaufveranstaltung für die gesamte Schulgemeinde rund um den Aasee

November       Schlaun-Sport-Schau

 

spezielle Sportfeste:

Schwimmspaßfest; "Wir laufen nach Atlanta"; "Wir lassen für einen guten Zweck andere laufen"; etwas wie die Bloom - Spiele (Horst Ehni S.97ff in rororo; ein Prellballturnier in attraktiven, ernstfreien Rahmen gesetzt); Tanztreff; Schulsporttag

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Welche Motive kann es für die Teilnahme an einem Schulsportfest sinnvollerweise geben?

 

- wettkämpfen a) allein  b) in einer Gruppe/Mannschaft

verschieden Aspekte: der Stärkere gewinnt; der Zufall entscheidet; der  Klügere gewinnt (Taktik); es gibt weder Sieger noch Besiegte

- andere schiedsrichtern - kampfrichtern - beurteilen

- Leistungsabzeichen absolvieren

- Neues Kennenlernen

- anderen zuschauen,

- anderen etwas vorführen

- sich einfach nur bewegen, spielen (selbstvergessen), Spaß haben

 

 

Literatur:

 

Brodtmann, Dieter/ Landau, Gerhard: Wettkämpfe, Sportfeste, Spielfeste. Hamburg 83

 

Landesinstitut für Schule u. Weiterbildung: Schulsportfeste, Schulsporttage. Soest 88

 

Zeitschrift Sportpädagogik 2/85: Schulleben und 3/86: Schulsportfeste

 

Zeitschrift Sportunterricht 4/92: Bundesjugendspiele